Lingen. Leider war der Zuschauersaal bei beiden Vorstellungen nur zur Hälfte besetzt. Doch das sollte für das Ensemble um Iris Limbarth (Inszenierung), Julia Felthaus (Regie und Choreografie) und Jason Weaver (musikalische Leitung) kein Grund sein, um auf Sparflamme zu gehen. Im Gegenteil.

Mit einer temperamentvollen, geradezu übersprudelnden Spielfreude agierten Kerstin Röttgers, Meike Roth, Lynn Thater, Brian Lüken, Kai Rupek und Markus Bucher sehr facettenreich in zwanzig kurzweiligen Episoden in wechselnden Rollen.

In den verschiedenen, nicht aufeinander aufbauenden Szenen geht es um die Tücken der Liebe und der Anziehung zwischen Mann und Frau. Das Thema Liebe boomt immer wieder im Unterhaltungssektor. Dies ist auch inhaltlich die Grundlage des Musicals, in dem eine Fernsehshow Singles zueinanderbringen möchte.

Das Buch und die Songtexte stammen von Joe Di Pietro und Jimmy Roberts. 1996 erlebte das Comedy- Musical in New York Premiere. Die jetzige Inszenierung setzte ganz auf die Kunst einer spritzig humorvollen Umsetzung und einer sauberen musikalischen Bearbeitung. Die vielen kleinen oder auch größeren Herausforderungen einer Beziehung wurden schwungvoll auf die Schippe genommen. Einzelne Charaktere wurden stark persifliert, was den Szenen eine eigene Dynamik gab und den Zuschauern viel Vergnügen bescherte. Die Darsteller bewiesen dabei hervorragend, dass sie auch das Comedy-Fach beherrschen.

 

Charaktere überzeichnet

 

Gerade in der Überzeichnung der Charaktere wurde eine hohe gesangliche Qualität vorausgesetzt. Unterstützt wurden sie aufs Feinste von einer vierköpfigen Band. Jason Weaver sorgte an den Tasten für feine wie wohlklingende Stimmungen. Michael Bohn (Bass) und Michael Schrant am Schlagzeug gaben Würze und Volumen. Für nuancenreiche Akzente sorgte die Violinistin Hiltrud Kummer. Sie eröffnete mit einem eher melancholisch eingefärbten Solo, das mit dem Aufgang der Darsteller in weißen Kutten eine besondere Spannung erzeugte. Die Bemäntelten erzählten vom Schöpfungsakt Gottes und dass die Anziehung zwischen den Geschlechtern über all die Jahrtausende hinweg weiterhin anhält, obwohl Mann und Frau nicht immer die gleichen Vorstellungen und Bedürfnisse haben.

In einigen Szenen prallten Mann und Frau regelrecht aufeinander und führten in pointierten Dialogen ihre Erwartungen an den Partner ad absurdum. In einer Sequenz beschäftigten sich ein vermeintliches Paar damit, welche auf sie zukommenden Probleme sie überspringen könnten, um am Ende doch bei der Trennung zu landen.

Das Gastspiel sorgte für vergnügliche Unterhaltung und riss das Publikum am Ende von den Stühlen.

Quelle: Lingener Tagespost, den 23.01.2017