Schuberts Ouvertüre D-Dur D 591, tänzerisch und fein phrasiert, präsentierte sich als Dialog der Bläsergruppen mit dem einfühlsam unterlegenden Orchester und verdichtete sich kraftvoll zum vollen Klang des Schlussakkords. Intensität, Präsenz, gespannte Dynamik, Synchronizität und Punktgenauigkeit ließen das Orchester und seinen Dirigenten Martin Nieswandt zu einem großen Instrument werden, dessen Strahlkraft bis in den letzten Winkel spürbar wurde. Musik nicht nur als Genuss für den Theaterbesucher, sondern auch für die Ausführenden.

Die 29-jährige Violonistin Liv Migdal entfaltete im Mendelssohn’schen Violinkonzert e-Moll op. 64 auf jedem Bogenstrich tonale Erlebniswelten, sodass dieses an sich vielen bis in die letzte Punktierung bekannte Werk aufhorchen ließ und durch Migdals nuanciertes, filigranes wie kraftvolles Spiel zu einer neuen Erfahrung wurde.

Selbst das diesem Instrument höchstmögliche Flageolett klang weich und warm. Schlicht, ergreifend, strahlend auch in wehmütigen Passagen, zog sie mit ihrem Bogen Legatoklänge geradezu aus ihrer Violine hervor und gab ihnen Raum. Beim Schlusssatz bedurfte es keiner Fachbegriffskenntnisse, um zu erleben, was „molto vivace“ bedeutet: Neckisch, flirtend, übermütig perlte pulsierendes Leben über die Saiten als quirliges Feuerwerk. Nicht enden wollendem Applaus dankte Migdal mit dem 3. Satz der Bach’schen Solosonate.

 

Feuerige Lebenskraft

 

Triumphal beherrschte den zweiten Teil des Abends Beethovens Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55, die „Eroica“, die der Komponist ursprünglich Napoleon zugedacht hatte, wovon er aber nach dessen Eigenkrönung 1804 Abstand nahm, vielmehr die Werte „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ für Deutschland verwirklicht sehen wollte. „Con brio“ bespielte Nieswandt sein Instrument, das Orchester, mit feuriger Lebenskraft und führte es durch die Motive, Themen, Durchführungen, durch Tutti-Schläge, Kaskaden und Synkopen-Begleitung und ließ die instrumentalen Gruppen miteinander in Dialog treten.

Im dreiteiligen Trauermarsch in c-Moll klagen die Violinen über den tiefen Bässen, tröstend setzt die Oboe ein, Leichtigkeit entwickelt sich, bis die Dramatik nach sich in Einzeltöne auflösenden Läufen versöhnlich im Schlussakkord zur Ruhe kommt. Im kontrastierenden quirligen Scherzo brillieren Staccatopassagen der Streicher, das Hörnertrio, das Hin-und Herwerfen eines Motives zwischen Holzbläsern und Streichern. Das Finale, von den Streichern im Pizzicato intoniert, versetzte die Zuhörerschaft mit seinem Variationen- und Formenreichtum, den unterschiedlichen Tempi und Rhythmen noch einmal in seinen Bann und setzte im stürmenden Presto den heroischen Schlusspunkt des eigentlichen Konzertprogramms.

 

Dirk Kummer gewürdigt

 

Bevor sich das Sinfonieorchester mit Bachs Toccata und Fuge in d-Moll für die Begeisterung des Publikums bedankte, würdigte das Orchester die Meilensteine setzende Arbeit des inzwischen ehemaligen Dirigenten und Stellvertretenden Leiters der Musikschule des Emslandes, Dirk Kummer, der seit dem 1. März als Ruheständler musiziert. Mit der Bach-Zugabe in der Orchesterfassung und ihrem großartigen Klangaufbau präsentierten die Musiker dem Publikum noch ein echtes Genussstückchen.

Quelle: Meppener Tagespost, den 07.03.2018