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Schlagzeuger Michael Schrant aus Haselünne berichtet

Schlagzeuger aus Leidenschaft: Michael Schrant aus Haselünne. Foto: Carola Alge

 

Musik hat bei Michael Schrant schon immer eine große Rolle gespielt. Der 40-jährige Haselünner hat sie zum Beruf gemacht. Seit 2005 ist er Schlagzeuglehrer an der Musikschule des Emslandes und nebenbei als Schlagzeuger in Bands und bei Projekten aktiv. Im Interview erzählt er vom Krach beim Üben des Instruments, warum Körperkontrolle wichtig ist und mit wem er gern zusammenspielen würde.

Herr Schrant, Sie haben die Musik zum Beruf gemacht. Wie früh wussten Sie, das ist genau Ihr Ding?

Musik spielte laut meinen Eltern bei mir immer eine große Rolle. Zunächst hatte ich erst einige Jahre Akkordeon-Unterricht an der Musikschule, spielte im Spielkreis bei Paul Verheyen. Das war nicht verkehrt, weil es mir einen sehr guten Zugang zum Notenlesen und zu anderen Tasteninstrumenten wie Keyboard und Klavier gab. Mit 15 war ich aber nicht mehr zu bremsen, und es musste ein Schlagzeug sein, als wir unsere erste Band „Whistler’s Pride“ gründeten. Dann nahm alles seinen Lauf: Studium in Liverpool und Hannover und jetzt, seit fast 14 Jahren, unterrichte ich an der Musikschule des Emslandes.

Sie unterrichten dort Schlagzeug. Dieses Instrument zu Hause zu üben macht Krach. Wie war das bei Ihnen: Liefen die Nachbarn Proteststurm?

Ich hatte Glück, unsere Nachbarn waren gnädig. Ich übte zunächst im Keller meines Elternhauses, bis meine Oma und teilweise meine Eltern sagten, es würde ja auch mal reichen. Irgendwann hatten wir unseren eigenen Proberaum im Gymnasium Haselünne, da waren alle Probleme beseitigt.

An welcher Stelle rangiert das Schlagzeug auf der Skala der beliebtesten Instrumente der Musikschüler?

Schwer zu sagen. Aber ich habe das Gefühl, dass es immer sehr viele Kinder gibt, die Schlagzeug spielen wollen. Es ist eben ein ziemlich eindrucksvolles Instrument, was Größe, Bewegungsintensität und Lautstärke angeht, das macht schon etwas her.

Drums sind, anders als Klavier oder Gitarre, nicht unbedingt ein Instrument, an das viele Eltern ihre Kinder drängen …

Genau! Ich höre immer wieder: Mein Kind will unbedingt Schlagzeug spielen, ich kann es nicht mehr bremsen! Haha! Viele Eltern wollen natürlich auch gerne, dass man mit dem Instrument was „Schönes“ vorspielen kann, zum Beispiel Weihnachtslieder. Das ist mit dem Schlagzeug dank entsprechender Bücher und CDs zwar nicht unmöglich, aber doch im besten Falle ungewöhnlich.

Wie hoch ist der Anteil der Mädchen unter Ihren Schülern?

Schwankend, aber schon deutlich die Minderheit. Eigentlich schade, da die Mädchen oft mit größerer Akribie an das Instrument gehen, und im Vergleich weniger impulsiv sind als die meisten Jungs.

Und der der talentfreien Schüler allgemein?

Talentfrei ist ein hartes Wort, aber es gibt schon Schüler, die sich deutlich schwerer tun als andere. Ohne etwas zu lernen, hat noch keiner den Unterricht verlassen. Aber es braucht manchmal natürlich ein gewisses Durchhaltevermögen, um Schlagzeug zu lernen– genau wie bei jedem anderen Instrument. Es ist eben nicht nur „Krach machen und Frust ablassen“, was tatsächlich viele denken, sondern hat viel mit Körperkontrolle von Anfang an zu tun.

Was macht einen guten Schlagzeuger aus?

Oh, da gibt es viel. Für mich ist einer der wichtigsten Punkte Einfühlungsvermögen in die gerade zu spielende Musik. Und da ist es egal, ob es Rock, Pop, Blues, Jazz, Marsch oder was auch immer ist. Man kann alles musikdienlich spielen oder eben nicht. Dazu gehört natürlich auch die dementsprechende Spieltechnik, um das, was man spielen will, auf das Instrument zu bringen. Man muss sich aber in die Musik reindenken und -hören können. Außerdem sollte man auch viel Musik in der entsprechenden Richtung schon mal gehört haben, also ein Repertoire im Kopf haben, um zu wissen, wie man ein Stück am besten „bedienen“ kann.

Ein guter Drummer spielt von innen heraus und nicht nur mit Händen und Füßen …

Das kann man so sagen. Man kann zum Beispiel regelrecht in das Instrument „hineinspielen“, also mit dem ganzen Körper Energie ausüben, ohne zu laut zu werden. Ein anderer Spruch, den man immer wieder hört und der auch für andere Instrumente gilt, heißt: Die Musik entsteht vor dem Instrument, also in Kopf und Körper des Musizierenden.

Der Schlagzeuger gibt in einer Band das Tempo vor. Sie müssen aber trotzdem auf die anderen Instrumente hören, mit Bass, Gitarre und Keys auf einer Welle spielen, damit es groovt. Wie schwierig ist das?

Ich könnte jetzt sagen: Das ist gar nicht so schwer, man muss nur die Ohren aufmachen. Tatsächlich ist das natürlich ein Prozess, der über längere Zeit gelernt werden will, an den man sich gewöhnen muss, und ein Vorgang, der auch nie endet. Egal mit wem man Musik macht, jedes Mal beginnt der Prozess neu, weil nie zwei Bassisten, Gitarristen oder Keyboarder wirklich gleich spielen. Schwierig ist vielleicht nicht das passende Wort, intensiv würde es besser treffen.

Selbst der jazzigste Bläsersatz klingt plötzlich nach Trachtenkapelle, ist die Rhythmusgruppe nicht stimmig. Haben Sie so etwas selbst mal erlebt?

Klar, gehört hat man so etwas natürlich schon mal. Mit der Rhythmusgruppe steht und fällt eine Band. Sie kann ein Musikstück tragen oder „zerstören“. Egal wie gut ein Solist, Sänger oder Bläsersatz ist, wenn die Begleitung der Rhythm-Section nicht passt, nicht swingt oder keinen Druck bietet, sind sie auf verlorenem Posten.

Zu den Drummer-„Göttern“ zählen einige. Was verbinden Sie mit: Ginger Baker?

Freies, extrem kreatives aber immer kontrolliertes Schlagzeugspiel.

Phil Collins?

Trommeln auf den Punkt, egal ob im Pop oder vorher im frühen Genesis-Bereich.

Ian Paice?

Stilprägend und ein Klassiker.

Charlie Watts?

Hat einen sehr speziellen und eigenwilligen Spielstil.

Ringo Starr?

Ohne ihn und die Beatles hätte sich vieles nicht so entwickelt in der Musik.

Könnten Sie sich vorstellen, Profi-Schlagzeuger zu werden, also davon zu leben?

Wer möchte das nicht, und ich gebe zu, dass das natürlich ein Stück weit auch das Ziel war, als ich anfing, Musik zu studieren. Das Problem beim Schlagzeug ist unter anderem aber: Man ist kein Solist wie als Pianist oder Gitarrist, wo man auch mal alleine Konzerte geben kann, ist also immer auf andere angewiesen. Außerdem ist die Menge der wirklich außergewöhnlich guten Schlagzeuger nicht gerade gering. Da wird die Luft schon dünn, auch fernab der großen Musik-Zentren wie Hamburg, Berlin, Köln etc. Und, so ehrlich muss man sein, so wie es jetzt ist mit Haus und Familie wäre mir diese Unsicherheit eines unregelmäßigen Musikereinkommens momentan doch zu groß. Da bin ich dann nicht der Typ für.

In unserer Region waren Sie Teil verschiedener Musikveranstaltungen, darunter vor einem Jahr beim Musicalabend mit Julia Felthaus und Jens Sörensen in Meppen. Wie liegt Ihnen diese Musik?

Der Abend hat Spaß gemacht. Wir haben ja viel Verschiedenes gespielt, von Jazz über härter swingende Stücke bis zu Pop-Nummern. Wirklich abwechslungsreich, nie langweilig. Wunderbare Sänger, und in der Rhythm-Section mit Michael Bohn am Bass (ehemaliger Kollege der Musikschule) und besonders Jason Weaver am Klavier und als musikalischer Leiter, das war schon was ganz Feines.

Kontrastprogramm dazu: die Dirty Fingers mit ihrem Classic-Rock. Ist das Ihre musikalische Heimat?

Ja, das ist was ganz anderes. Für Rock schlägt natürlich seit der Jugend mein Herz. Viele der Nummern, die wir bei Dirty Fingers spielen, habe ich seit Jahren immer wieder gehört, aber nie gespielt. Das macht also wirklich Spaß.

Hätten Sie den einen berühmten Wunsch frei: Mit welchem Schlagzeuger würden Sie gern mal gemeinsam die Sticks wirbeln lassen?

Ganz klar: Vinnie Colaiuta, ehemaliger Drummer von Frank Zappa, Sting und vielen anderen. Meiner Meinung nach der beste Drummer überhaupt. Den mal zu treffen, wäre ein absoluter Traum.