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Nur wenig Publikum beim Musical der Musikschule in Lingen

Gruppenbild mit Liebespaar: "Zustände wie im alten Rom" als Musikschul-Musical-Produktion im Lingener Theater. Foto: Peter Löning

 

„Etwas für Jedermann, Komödie heut‘ Nacht!!“ - mit seiner Produktion des Broadway-Musicals „Zustände wie im alten Rom“ hat die Musikschule des Emslandes einen Abend urlustig vorzüglicher Unterhaltung jetzt auch auf die Bühne des Lingener Theaters gebracht.

1962 vom legendären Stephen Sondheim komponiert und vier Jahre später verfilmt erzählt ‚Amerikas vergnüglichstes Musical‘ eine irrwitzig turbulente Verwicklungskomödie mit deftig klamaukhaften Stadel-Qualitäten. Mit Lust kann es hier auch mächtig albern werden. 

In der inzwischen sechsten Musicalproduktion der Musikschule zeigt erstmalig und erfolgreich Julia Felthaus  allein verantwortlich für Regie und Inszenierung. Drei Häuser stehen an der Straße zum Forum im alten Rom und bieten die ganze Kulisse. Vor diesen bewegt sich die gesamte Geschichte – und Bewegung ist eigentlich immer. Vielmehr braucht es nicht in diesem Stück.

Dahinter verborgen agiert die kleine versierte Band mit dem musikalischen Leiter Jason Weaver am Keyboard, verstärkt von den Musikschullehrern Andreas Lögering, Trompete, von Michael Schrant, Schlagzeug und als Gast Michael Bohn am Bass. Die Musik mit starker Färbung aus dem Anfang des letzten Jahrhunderts trägt das Stück witzig spritzig mit verschiedenen Ohrwürmern darinnen. Und immer wieder ist man versucht, die Handschriften anderer Komponisten, wie etwa Leonard Bernstein zu erkennen. „Etwas Vertrautes, etwas Geklautes“ eben.

Der Sklave Pseudolus, mit köstlich komödiantischem Überschwang dargestellt vom Lingener Theaterpädagogen Brian Lüken, versucht seinem Herrn Hero (sehr entzückend von Markus Bucher) die schöne Kurtisane Philia (Stina Meiners) zu verschaffen. Diese ist allerdings längst an den Hauptmann Miles Gloriosus (Jakob Belle) verkauft. Hier gilt es also, einen gewieften Plan zu entwickeln. Die Geschichte nimmt furios ihren Lauf und in einem solchen endet sie auch. 

Als bei einer beinahe unüberschaubaren Verfolgungsjagd die Akteure in verschiedensten Konstellationen aufeinander treffen und die Sache aus dem Ruder zu laufen scheint, wendet sich natürlich und dennoch überraschend alles zum Guten, das liebende Paar findet zusammen und Pseudolus, gerade noch dem Tod nahe, erlangt seine Freiheit.

Die überschäumende Spiellust des Ensembles überträgt sich sehr bald auf das zunehmend begeisterte Publikum, das dabei schwer zu schaffen hat, der Story zu folgen, zumal die überaus textintensiven Songs zu häufig der gewohnt suboptimalen Tontechnik Tribut zollen mussten.

Lustig war es allemal und lohnenswert. So einige betörend schöne Lieder bleiben im Ohr. Am Ende ist es ein großartig unterhaltsamer Abend und ein Erfolg für das ganze Ensemble. Gratulation!

Leider aber ist das Theater nicht zur Hälfte besetzt, was sehr schade ist, hätte man den Darstellern doch ein volles Haus gewünscht.

 

Quelle: Lingener Tagespost, den 27.01.2019