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Urgestein der Musik - Paul Verheyen nimmt Abschied

Paul Verheyen und Martin Nieswandt (links) an der Wagner-Büste. Foto: Daniel Lösker

 

Einmal noch wird Paul Verheyen mit seiner Bigband und den Dixies, wie er sie nennt, den traditionellen Jazzabend in den Heimathäusern in Hasaelünne am 30. August gestalten.

Verheyen ist Musiker durch und durch. Das wird beim Gespräch mit unserer Redaktion, an dem auch der Leiter der Musikschule des Emslandes, Martin Nieswandt, teilnimmt, deutlich.

Den Garten Verheyens ziert eine Büste von Richard Wagner. Das Operngenie ist Verheyens musikalischer Gott. Er erzählt, dass er auch diesmal wieder bei den Bayreuther Festspielen sein wird. Im Gespräch geht es um Tannhäuser, Meistersinger und den Ring des Nibelungen, Jonas Kaufmann oder Nina Stemme.

Die letzte Etappe der Abschiedstour Verheyens von seinen Ensembles ist angebrochen. Nieswandt erinnert daran. Er nennt es einen „Abschied auf Raten“ und trifft damit ins Volle. Der heute 81-Jähriger ist bereits 2004 in Rente gegangen. Das Musizieren mit seinem Spielkreis, den er 2017 aufgab, oder der nun zu Ende gehenden Bigband bzw. der Dixieland-Combo allerdings ging weiter, als hätte der gebürtige Kevelaerer die Quelle des ewigen Jungbrunnens gefunden.

 

Foto: Carola Alge

 „44 Jahre werden es am 1. August sein“, sagt Nieswandt. 44 Jahre, die Verheyen an der Musikschule unterrichtete. Zuerst Orgel, dann natürlich Blechblasinstrumente. Mit seinem Abschied wird auch die Zeit von Bigband und Dixieland-Combo zu Ende gehen. Wehmut kommt auf. Doch auch Stolz. In der Blütezeit kam sogar das Radio und übertrug Lieder in der Interpretation von Verheyen und den Seinen.

Schlussstrich

Allerdings werden es immer weniger, die den Weg in eines der Blasmusikensembles finden. Woran dies liegt, weiß Verheyen auch nicht so ganz, hat seine Vermutungen, deutet an, dass immer weniger Raum bleibe für interessierte und begabte Jugendliche. Nieswandt stimmt ihm bei, weiß aber auch, dass alles seine Zeit hat. Deshalb habe man sich entschlossen, mit dem Weggang von Gründer und Leiter Verheyen auch die Ensembles aufzulösen. „Für einen Nachfolger stünde immer der Vergleich im Raum.“, erklärt er und ergänzt: „Da ist es wohl besser, dass ein Schlussstrich gezogen wird. Dies lässt größere Chancen für einen Neuanfang.“

Musikalisches Urgestein

Einmal aber noch wird Verheyen mit seiner Bigband und den Dixies, wie er sie nennt, den traditionellen Jazzabend in den Heimathäusern der Korn- und Hansestadt Haselünne gestalten. Am 30. August ab 19:30 Uhr ist es wieder soweit. Und wenn man dem beliebten musikalischen Urgestein bei der Ankündigung dieses Termins genau in die Augen schaut, sieht man dieses Leuchten, das ihn wieder jung erscheinen lässt. Zweifel kommen auf, ob er nicht doch weitermacht, angesichts dieses unlöschbaren Feuers. „Mit der Musik kann und will ich ja auch gar nicht aufhören.“, beschwichtigt Verheyen, doch die Verpflichtungen müssten nicht mehr auf seinen Schultern ruhen. Und dann überrascht er noch mit der Ansage, dass er sich jetzt erst einmal auf das sicher gigantische Konzert mit Rammstein in Berlin freue. Sagt es und zieht mit beinahe kindlicher Freude ein Shirt der Brachial-Rocker über. Verheyen ist ein musikalischer Jugendlicher im Gewand eines älteren Herrn, bei dem die letzte Rate des Abschieds wie ein Neuanfang aussieht.

Foto: Carola Alge