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Musikschule feiert Jubiläum

Das ernsthafte und zugleich fröhliche Musizieren des Schulorchesters der Klassen 3 und 4 der Johannes-Gutenberg-Schule Meppen steckt an und beweist das Erfolgskonzept. Fotos: Petra Heidemann
Martin Gerenkamp begrüßte die Gäste, darunter zahlreiche Vertreter aus Bund, Land, Kreis und Kommunen.
Die Tasse zum Musikschuljubiläum wird nicht nur bei Reinhard Winter einen Platz auf dem Schreibtisch finden.


Vertreter von Bund, Land, Kreis und Kommunen haben am Sonntag, umrahmt von beeindruckenden musikalischen Darbietungen der beteiligten Orchesterensembles, im Meppener Theater die kulturellen und pädagogischen Leistungen von 50 Jahren Musikschulengagement im Emsland gewürdigt.

Den Auftakt gab unter dem Dirigat von Musikschuldirektor Martin Nieswandt das Sinfonieorchester mit Mozarts Ouvertüre zur Oper „Die Entführung aus dem Serail“. Bereits hier offenbarte sich, was Erster Kreisrat Martin Gerenkamp als Vorsitzender der Musikschule hervorhob: Das hohe Niveau des Orchesters mache es zum Aushängeschild und Repräsentanten des Landkreises Emsland dank des überaus engagierten Kollegiums und dank elterlicher Unterstützung.

Gerenkamp zeichnete den Weg der Musikschule und seiner Initiatoren und Leiter von den Anfängen in den Altkreisen 1965 mit etwa 500 Schülern nach bis hin zur heutigen flächendeckenden Arbeit der 80 Lehrer und 8000 Schüler der Musikschule. Die 19 Städte und Samtgemeinden bildeten daher auch das Logo dieses Meilensteines auf dem Titelblatt der Festzeitschrift. Dabei dankte Gerenkamp dem stellvertretenden Leiter der Musikschule, Dirk Kummer, und seinem Redaktionsteam für Recherche und Erstellung dieses lesenswerten Werkes.

„Musik wäscht den Staub von der Seele“ – mit diesem Zitat von Berthold Auerbach betonte Gerenkamp den Intelligenz und Sozialkompetenz fördernden Wert musikalischer Aktivität in einer Smartphone-bestimmten Realität; jedes Kind müsse die Chance haben, ein Instrument zu lernen, Musik sei eine von allen Völkern zu verstehende Sprache und Botschafter des Friedens. Die Breiten- und Spitzenförderung gelte jedoch nicht nur für Kinder, sondern angesichts des demografischen Wandels sei das Augenmerk auch auf den Seniorenbereich zu richten.

Die Rolle musikalischen Schaffens für die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft betonte auch Landtagspräsident Bernd Busemann als Weg des Miteinanders in Familien- und Bildungspolitik, hier gingen Selbstverwirklichung und Sozialisierung Hand in Hand und bewiesen Kontinuität. Allein 2014 hätten sich 56 000 Zuhörer bei 310 Auftritten davon überzeugen können, dass Musik Ausdruck purer Lebensfreude sei. Die Musikschule des Emslandes sei die Keimzelle für das Musikalisierungsprogramm aller 67 landesweiten Musikschulen gewesen. Hier werde nicht von Inklusion gesprochen, hier werde sie mit 220 Unterrichtsstunden pro Woche seit 20 Jahren längst gelebt. 40 Ensembles seien das Ergebnis, darunter ein Sinfonieorchester aus Spitzenmusikern aller Altersstufen, die einem öffentlichen Berufsorchester ebenbürtig seien und nicht mehr wegzudenken in dieser Region. Die Musikschule sei „das Rückgrat der Kulturregion Emsland“.

Landrat Reinhard Winter betonte, dass Plattenspieler, Walkman und I-Pod von jeher nur ein mittelbares Erleben von Musik seien. Die hohe Qualität der jährlich über 300 musikalischen Veranstaltungen der Musikschule als „tragende Säule der kulturellen Entwicklung“ beweise, dass sich die einstige Investition von 2,8 Millionen D-Mark seitens des Landkreises und der Kommunen als Basisbetrag gelohnt habe.

Werner Schräer, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Hauptverwaltungsbeamten im Emsland, betonte die Außenwirkung dieser Basisarbeit auf die Wahrnehmung von Musik im Alltag wie in Spielmannszügen und Ortskapellen, aber auch in der Identifizierung der Musikschaffenden mit der Musikschule, und griff ganz persönlich die von Gerenkamp ins Gespräch gebrachte musikalische Aktivierung von Senioren auf. „In jedem Mensch steckt das Talent für Musik, es muss nur entdeckt werden.“

Großen „An-Klang“ fanden, geradezu als Beweis dieser These, die konzentrierte Leistung, das Können und vor allem die strahlende Spielfreude des Schulorchesters der Jahrgänge 3 und 4 der Johannes-Gutenberg-Schule Meppen unter der Leitung von Anikó Rácz und Lulzim Bucaliu sowie das Ensemble „Solo und Tutti“ vom Werkstattverband des Emslandes und des St.-Vitus-Werkes Meppen unter der Leitung von Marlene Bucher. Johannes Münter, Vorsitzender des Verbandes niedersächsischer Musikschulen, sprach dann auch die enorme bereichernde Kompetenz und die Vielseitigkeit musikalischer Bildungsfacetten an.

Musikschuldirektor Nieswandt resümierte noch einmal das „Sowohl-als-auch“ der 157 einzelnen Standorte und der Kräfte bündelnden Konzentrierung; Synergie sei mehr als die Summe der Teile. Kultur sei nicht die Bewahrung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.

Quelle: Meppener Tagespost, 23.03.2015